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Istanbul sehen und schwärmen

Seit Jahren kaufe ich bei unserem türkischen Gemüsehändler, esse Döner und unterrichte türkische Mädchen und Jungen. Und seit Jahren will ich einmal nach Istanbul. Da aber fragten mich zwei freundliche Oberstufenschüler auf dem Weg zum Kopierraum, ob ich nicht Lust hätte, denn Frau Herzberg sei leider erkrankt und eigentlich… kurz, ich akzeptierte: Istanbulreise mit Eda, Teúta, Serpil, Yasar, Akin und Süleyman. Es war alles schon vorbereitet, ich brauchte nur noch zu bezahlen.

Nachdem auch ich mich ein wenig über Istanbul informiert hatte, stellte unsere viel versprechende kleine Reisegruppe ein viel versprechendes großes Kulturprogramm zusammen: die berühmtesten Moscheen, herrliche Schifffahrten auf dem Bosporus, Besuch der schönsten Bazare und einer deutschen Schule etc. Manches Highlight ergab sich naturgemäß erst vor Ort, eines allerdings auch schon auf dem Hamburger Flughafen: Nachdem wir alle eingecheckt hatten, kam Yasar mit einer netten älteren Dame, einem Kinderwagen und etwa acht Taschen und Koffern. Armer Yasar, niemand hatte ihm gesagt, dass Oma nach Istanbul mitfliegen würde. Wie jetzt? Oma auch und mit acht Taschen …? Tjaja, allein, wie sollte man das Übergepäck nun verteilen, da wir bereits abgefertigt waren? Nach 30 langen Minuten haben sie es tatsächlich doch irgendwie geschafft eine grandiose Meisterleistung beharrlicher türkischer Gelassenheit! - und die nette ältere Dame wurde mit alle ihren Taschen und Koffern glücklich vom Istanbuler Flughafen abgeholt. Armer Yasar, den Kinderwagen musste er bis in unser Hotel schleppen, um ihn dort zu verwahren.
Unser Hotel besaß (angeblich) drei Sterne, doch die Leute waren freundlich, das Frühstück okay und die Räumlichkeiten angemessen. Wir hatten es glücklich getroffen, denn wir wohnten unweit einer Straßenbahnstation und konnten daher bequem die Innenstadt erreichen.

 

Istanbul

Was gab es nicht alles zu sehen: die Hagia Sofia, die Blaue Moschee, Stände mit bunten Ohrringen und Nippses, den Topkapi-Palast mit seinem 82-Karäter, eine uralte unterirdische Zisterne, Stände mit bunten Ohrringen und Tüchern, den alten überdachten Grand Bazar mit Ständen voller herrlicher Handtaschen, kleinen Geschäften mit schwerem Gold und Silber in der Auslage, mit Wasserpfeifen, orientalischem Plunder: Ach, es war ein Erlebnis!
Einmal wohnten wir den Dreharbeiten für eine türkische Soap bei. Ein anderes Mal wurden wir eigens durch den Botanischen Garten geführt, von wo wir einen traumhaften Ausblick über das Goldene Horn hatten. Unvergesslich auch das Fußballspiel im Fenerbace-Stadion.

Was aber war das Schönste an Istanbul? Alles war „einfach unglaublich“: die zahllosen Autos und Gotteshäuser, die traumhaften Panoramen und Aromen, die vielen Menschen in Bussen und Bahnen, Lahmancun und Kaugummi-Eis - und was es noch alles gab. Dass es aber so unglaublich schön und begeisternd war, habe ich in erster Linie meinen sechs Mitreisenden zu verdanken. Sie waren alle sehr freundlich und verlässlich, aufmerksam, ja, beinahe fürsorglich. Sie schufen die Bedingungen der Möglichkeit dieser für mich unvergesslichen Istanbul-Erfahrung.

Norbert Zipser

 



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(Änderungsdatum: 19.01.08)