Startseite
Kontakt
Impressum
Inhaltsverzeichnis

ALLEE Telegramm

 

nächste Elternratssitzung

Mo, 21.5.2012, 19:30 Uhr 

Konferenzzimmer Neubau EG

 

Profile Oberstufe

siehe unter

"Das Gymnasium

ALLEE/Stufen",

Anfragen zu freien

Plätzen an

Frau von der Hagen

 

ACHTUNG unterrichtsfrei!

mündliches Abitur

Di, 29.5.

nach Pfingsten


Schrift: groß | mittel

Aktueller Schulflyer

Aktueller Flyer 2012

Valencia 2008

Aus der pädagogischen Ecke eines Lehrers

Erfahrungen auf einer Tutandenreise
Wir, Lehrer und Lehrerinnen aller Länder, haben eine ethische Vorbildfunktion. Unser Handeln und Benehmen prägen das öffentliche Leben und dienen als Verhaltensregeln, denen jüngere Menschen folgen sollten, falls sie sich in der Gesellschaft integriert sehen wollen. Wir setzen uns nicht auf einen Tisch, obwohl es die von uns gehaltene 7. Unterrichtsstunde ist und im Klassenraum den Lehrerstuhl ein anderer Schüler benutzt, da es manchmal Mangel an Sitzplätzen gibt, oder bleiben starr stehen vor der roten Ampel auf leeren regnerischen Sonntagsstraßen, während unsere Nachbarn vorbeiziehen und früher und weniger nass in die Bäckerei kommen und die besten warmen Brötchen zu sich nach Hause nehmen –Entschuldigung, die leckeren Sesambrötchen sind jetzt gerade alle, oder wir bleiben immer höflich und nett, diskursiv und vernunftgesteuert mit dem Typ, der uns angefahren hat, obwohl er brüllt und rast und tobt und beteuert, dass wir nicht fahren können. Und im Bus oder in der U-Bahn bieten wir immer brav der alten Dame unseren Sitzplatz an.
 Schülergruppe
Im metaphysischen Sinne könnte man strittig machen, dass unsere Vorbildfunktion eigentlich nur ein pragmatisches Handelsregister ist, dessen Tragweite nie moralisch und deren einzige Funktion ist, die Autorität der Lehrerkräfte zu zementieren, so dass wir Tische und alle möglichen Plätze benutzen, alle roten Ampel mißachten und alle alte Damen stehen lassen könnten, ohne dass die Idee der Moralität Schaden zugefügt werden würde. Aber klar nur im spekulativen Sinne, die Wirklichkeit eines realen Schulbeamten sieht etwas anders aus.
Schüler in Valencia
In diesem September war ich mit meinen Tutanden in Valencia. Schöne alte Stadt, nettes Hotel, traumhafter Strand, wunderschöne moderne Museen Obwohl ich wusste, dass das Benehmen meiner Tutanden bei jedem Treffen tadellos gewesen war, kann ich meine Vorbildfunktion nie abschalten und gab ihnen eine Menge Regel, Pflichten und Anweisungen, die sie schon kennen, und noch dazu deren Begründungen, die niemand, ich auch nicht, richtig versteht und die etwas langweilig klingen. Vor allem am Anfang übertreibt man immer ein bisschen: Tut nicht dies und das, das andere desto weniger, denkt immer dran, wir sind in Spanien, da sind die Leute nicht so zivilisiert wie bei uns (?), haltet euch an das und das und  noch an das usw....

  Bogen

 

Bogen

Am ersten Tag gingen wir von unserem Hotel bis zum alten Markt zu Fuß, einem alten Gebäude aus dem 19. Jahrhundert mit riesigen Fenstern und langen Säulen, der von uns 500 Meter entfernt war. Der Weg durch die alte Stadt, ungefährlich, nur mit einer Kreuzung versehen. Wir kamen an die Kreuzung: Ampel rot für Fußgänger, grün für Autos, links von uns ein Van der spanischen Polizei, vor uns auf der anderen Straßenseite ein anderer Van der Polizei, bei uns vier Uniformierten, uns gegenüber drei, die Autos rasen auf einer vierspurigen, aber engen Strasse, Menschen kommen aus dem Markt, aus den Geschäften, alles voller Leben und Bewegung, ich zeige meine Vorbildfunktion vor allen, Männern, Frauen, Kindern, Polizisten und Polizistinnen, Richtern, Nachbarn und Beamten, natürlich vor meinen Tutanden: Kinder! Ampel rot, alle hier stehen bleiben!
 Arena
Und alle bleiben da auf mein Kommando stehen, die ganze Stadt hält das Atmen, und ich lasse mich von der Stadt wie ein Stierkämpfer der Moralität unter so viel Getümmel und Verkehr feiern. Und als mein Ruhm schon der Himmel erreichte und ich sah, wie anerkennend mich die Polizisten beobachten, überquerte eine alte Oma mit ihrem Gehwagen in einer Geschwindigkeit von Tempo 0,33 die vierspurige Straße mit vollem Verkehr, während die Ampel für uns rot war, unbekümmert, fröhlich, in ihrem normalen Habitus, und sie war nicht die einzige: alle, aber alle die aus dem Markt oder aus den Geschäften raus kamen, alle, die an den Rändern waren, überschritten die Straße genauso unbekümmert, an der meine Kinder-Tutanden auf mein Kommando da pflichtgemäß standen. Da wir die einzigen waren, die nicht überquerten, halb hypnotisiert, fragte mich ein Polizist, der bei rot überquerend kam, ob wir irgendein Problem hatten: Wollen Sie nicht überqueren?. Von diesem Moment an haben wir uns alle, meine Tutanden und ich, in der Kunst der roten Ampel mit riesigem Erfolg so erprobt, dass wir uns sogar in Hamburg trauen, diese wunderbare Art weiter zu vermitteln.

 

Die Tutandenreise fand in der Stadt Valencia zwischen dem 20.09. und dem 27.09.08 statt.

 

Mariano Coralo Amor



Artikel drucken
Lesezeichen setzen

(Änderungsdatum: 22.01.09)